Stand der Prüfung: 24. Juli 2026
1822direkt ist kein gewöhnliches Filialkonto der Frankfurter Sparkasse, sondern der Direktbank-Vertrieb der 1822direkt Gesellschaft der Frankfurter Sparkasse mbH. Die Gesellschaft gehört laut eigener Unternehmensdarstellung vollständig zur Frankfurter Sparkasse; im Impressum werden die Aufsicht durch Europäische Zentralbank und BaFin sowie die Schlichtungsstelle der Sparkassen genannt. Girokonto, Tagesgeld und Depot laufen in einer digitalen Umgebung, der Service bleibt jedoch App-, Online- und Telefon-Banking-orientiert. Auch das öffentliche App-Signal ist nicht einheitlich: Im deutschen App Store stehen 4,5 von 5 Punkten bei 12.572 Bewertungen, bei Google Play 3,8 Punkte bei rund 6.440 Rezensionen. Das sagt nichts über eine Kontoeröffnung oder die Beratungsqualität aus, zeigt aber: Wer Gehalt, Miete und Lastschriften umziehen will, sollte Login, Überweisung und TAN-Freigabe zuerst auf dem eigenen Gerät testen.
Kurzurteil: 1822direkt gehört auf die Auswahlliste, wenn die 700-Euro-Geldeingangsbedingung zuverlässig passt oder der Kontoinhaber unter 30 ist und das Sparkassen-Automatennetz wichtig ist. Wer Filialservice, bedingungslos kostenlose Kontoführung oder nur eine einzige App für Banking und Freigabe erwartet, sollte zuerst andere Konten vergleichen.
Zuerst klären: Alltagskonto, Geld parken oder selbst anlegen?
Der häufigste Fehler liegt nicht in einem übersehenen Detail, sondern in der Vermischung dreier verschiedener Aufgaben. Für Gehalt, Miete und Kartenzahlungen ist das 1822direkt GiroDirekt der Ausgangspunkt. Für kurzfristig verfügbares Guthaben ist das 1822direkt Tagesgeld gedacht. Wer ETFs, Aktien oder Sparpläne selbst auswählt, muss die Kosten des 1822direkt Wertpapierdepots getrennt lesen. Eine Eröffnungsprämie kann das erste Jahr aufwerten, ersetzt aber keine dauerhafte Entscheidung über den tatsächlichen Nutzungszweck.
GiroDirekt eignet sich am ehesten als Hauptkonto: Sparkassen-Card, Sparkassen-Geldautomatennetz, App und Kontowechselservice gehören zum praktischen Kern. Beim Tagesgeld gelten aktuell 2,80 Prozent Zinsen pro Jahr für berechtigte Neukunden, sechs Monate lang und bis 250.000 Euro. Danach greift der dann gültige variable Basiszins; bei der Prüfung standen 0,60 Prozent auf der Seite. Für Auszahlungen ist ein Referenzkonto nötig. Der Sonderzins gilt nicht, wenn in den vergangenen zwölf Monaten bereits ein 1822direkt-Tagesgeld bestand, und auch nicht für Kunden der Frankfurter Sparkasse.
Beim Depot bedeutet „0 Euro Depotführung“ nicht, dass jede Order kostenlos ist. Eine Standardorder kostet derzeit 4,90 Euro plus 0,25 Prozent des Kurswerts, mindestens 9,90 Euro und höchstens 54,90 Euro. Außerhalb des Direkthandels kann ein Handelsplatzentgelt von 2,95 Euro hinzukommen. Reguläre ETF-, Aktien- und Zertifikate-Sparpläne kosten 1,5 Prozent des Sparbetrags, mindestens 1,50 Euro und höchstens 14,90 Euro; nur ausgewählte Aktionspläne sind gebührenfrei. Das passt zu Menschen, die Produkte und Orderrhythmus selbst steuern. Es passt nicht zu der Vorstellung, ein kostenlos geführtes Depot sei eine Anlage ohne Kosten oder Marktrisiko.
Wichtiger als die Prämie: die festen Kosten nach dem ersten Jahr
Die Kontoführung des GiroDirekt kostet 0 Euro bei mindestens 700 Euro monatlichem Geldeingang oder solange der Kontoinhaber unter 30 ist. Ohne diese Voraussetzung fallen 4,90 Euro monatlich beziehungsweise 58,80 Euro pro Jahr an. Deshalb sollte die Rechnung auf dem tatsächlichen Gehalt, der Rente oder einem verlässlichen regelmäßigen Eingang beruhen. Die aktuelle Kontoaktion nennt bis zu 200 Euro Prämie sowie den Tagesgeld-Neukundenzins. Die Details lassen sich im EuroSnip-Bereich zu 1822direkt-Aktionen nachlesen; für ein Hauptkonto sind die 700-Euro-Schwelle und die dauerhaften Jahreskosten wichtiger.
Für die Sparkassen-Card fällt derzeit kein zusätzliches Jahresentgelt an. Mit ihr ist die Bargeldabhebung an rund 21.000 Sparkassen-Geldautomaten in Deutschland kostenlos. Visa Classic und Visa Gold sind im ersten Jahr kostenlos, danach kosten sie 3 beziehungsweise 6 Euro pro Monat – also 36 oder 72 Euro pro Jahr. Bei Visa-Abhebungen im Inland und europäischen Währungsraum nennt die Preisübersicht einen Mindestbetrag von 50 Euro. Im Ausland können trotzdem Automatenbetreiberentgelte und Kosten für die Währungsumrechnung anfallen. Für viele Nutzer ist es günstiger, zuerst zu prüfen, ob die enthaltene girocard genügt, statt eine selten genutzte Visa nur wegen des kostenlosen ersten Jahres zu bestellen.
Ob die App passt, entscheidet über die Hauptkontotauglichkeit
Für die Kontoeröffnung werden Volljährigkeit, ein fester Wohnsitz in Deutschland, eine deutsche Mobilfunknummer, ein Smartphone und ein gültiger Personalausweis oder Reisepass verlangt. Die Legitimation ist per Video, eID oder POSTIDENT möglich. Nach der Prüfung kommt eine SMS mit der Online-Kennung. Das Hilfe-Center weist darauf hin, dass die erste Aktivierung des Online-Bankings am PC erfolgen soll; danach wird die separate 1822TAN+ App eingerichtet. Die Banking App dient für Konten, Depot, Überweisungen und Geldautomatensuche, 1822TAN+ für die Auftragsfreigabe. Als Alternative kann das QRTAN+-Verfahren geprüft werden.
Die Banking App kann auch Konten anderer Banken einbinden, Konten und Depots anzeigen, Bewegungen melden, Fotoüberweisungen vorbereiten und Geldautomaten suchen. Der Funktionsumfang ist ordentlich, die unterschiedlichen Bewertungen der beiden App-Plattformen sprechen jedoch gegen einen blinden Sofortumzug. Sinnvoll ist ein Test mit einer Anmeldung, einer kleinen Überweisung, einer TAN-Freigabe und dem Aufruf der Wiederherstellungswege. Erst wenn diese Abläufe auf dem eigenen Gerät funktionieren, sollte das Konto zum Gehaltskonto werden.
Vor dem Kontoumzug den Direktbank-Charakter ernst nehmen
Der 1822direkt Kontowechselservice kann Zahlungspartner aus dem bisherigen Online-Banking auflisten, zur Auswahl stellen und gewünschte Änderungsmitteilungen versenden. Dienste wie Amazon, PayPal oder eBay akzeptieren jedoch nur Änderungen im persönlichen Nutzerkonto; sie lassen sich nicht vollständig per Anschreiben umstellen. Gehalt, Miete, Versicherungen, Energie, Mobilfunk und Zahlungsdienste gehören deshalb auf eine eigene Checkliste. Das alte Konto sollte mindestens einen vollständigen Abrechnungszyklus parallel bestehen bleiben.
Zur Direktbank gehört auch eine klare Servicegrenze: Ein 1822direkt-Konto ist nicht automatisch ein Filialkonto, das jede Frankfurter Sparkasse vor Ort betreut. Im Impressum steht ausdrücklich, dass Aufträge zur Bestellung oder Entsperrung von Zugangsdaten, Kontoschließungen und Wertpapierorders nicht per normaler E-Mail erteilt werden können. Dafür sind Online-Banking, Telefon-Banking oder der jeweils vorgesehene authentifizierte Weg zu nutzen. Wer Self-Service beherrscht, empfindet das als effizient. Wer häufig persönliche Erklärungen oder Papieraufträge benötigt, spart womöglich Kontogebühren, bezahlt aber mit mehr Kommunikationsaufwand.
Auch die Einlagensicherung braucht eine saubere Grenze. 1822direkt gehört zum System der Frankfurter Sparkasse und zum institutsbezogenen Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe. Falls die Institutssicherung ausnahmsweise einen Sicherungsfall nicht verhindert, besteht der gesetzliche Erstattungsanspruch grundsätzlich bis 100.000 Euro pro Einleger. Diese Aussage betrifft geschützte Einlagen, nicht Kursverluste bei Fonds, ETFs, Aktien oder anderen Wertpapieren.
Für wen 1822direkt passt – und wer zuerst weiter vergleichen sollte
Eher passend für:
- Kontoinhaber unter 30 oder Personen mit dauerhaft mindestens 700 Euro monatlichem Geldeingang.
- Nutzer, die App- und Telefonservice akzeptieren und zugleich das Sparkassen-Automatennetz schätzen.
- Menschen, die Girokonto, Tagesgeld und Depot als drei getrennte Kostenentscheidungen behandeln.
- Wechselwillige, die das alte Konto vorübergehend behalten und Lastschriften sowie Zahlungsdienste einzeln prüfen.
Eher nicht passend für:
- Personen, die davon ausgehen, jede Sparkassen-Filiale müsse 1822direkt-Anliegen bearbeiten.
- Nutzer mit unregelmäßigem Geldeingang, die 4,90 Euro monatliche Kontoführung vermeiden möchten.
- Menschen, die keine getrennten Banking- und TAN-Zugänge pflegen wollen oder digitale Wiederherstellungswege ablehnen.
- Anleger, die „kostenloses Depot“ mit kostenlosem Handel verwechseln oder persönliche Anlageberatung erwarten.
Meine Empfehlung: 30 Tage testen, erst danach das Gehalt umziehen
Erstens nur den echten Bedarf eröffnen: Für ein Hauptkonto zunächst GiroDirekt, nicht automatisch zusätzlich Tagesgeld, Visa und Depot wegen einer Aktion. Zweitens bei weiterhin aktivem Altkonto Online-Banking, 1822TAN+, eine kleine Überweisung und eine Bargeldabhebung testen. Drittens die 700-Euro-Bedingung, Visa-Kosten ab Jahr zwei, Laufzeit des Tagesgeld-Sonderzinses und Depotgebühren in eine persönliche Jahreskostenrechnung aufnehmen. Viertens den Kontowechselservice nutzen und Zahlungsdienste wie PayPal oder Amazon anschließend manuell kontrollieren.
Wenn alle vier Schritte sauber funktionieren, sind die Stärken klar: digitale Verwaltung, kostenlose Sparkassen-Card, großes Automatennetz und mehrere Bankprodukte unter einem Zugang. Wenn schon die Testphase Unsicherheit erzeugt, sollte das Hauptkonto nicht allein wegen der aktuellen Prämie umgezogen werden. Dann kann 1822direkt weiterhin als Tagesgeld- oder Vergleichskonto infrage kommen, ohne dass Gehalt, Miete und sämtliche Lastschriften gleichzeitig davon abhängen.




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